M E N S C H E N W Ü R D E

Dez. 10, 2025 | Saatkorn-Projekt

Das Grundbedürfnis eines jeden Menschen ist wahrgenommen, ernstgenommen und – ja – gesehen zu werden. Wert-Schätzung ist nicht nur eine blasse Äußerung in einer Begegnung, sondern gibt dem Nächsten in diesem Moment einen Wert und Würde. Wie aber kann Wertschätzung in einer Gesellschaft ehrlich gelebt werden? Sicher wird sie in Freundschaften gelebt, in vertrauten Kreisen praktiziert, als Führungstechnik geübt und bei Preisverleihungen würdigend brillant vorgetragen. Aber als gesellschaftlicher Kon-sens scheint mir diese Art des Umgangs zunehmend eine Überforderung zu sein. Was wäre aber, wenn wir im Alltäglichen anfangen? Letztens habe ich mich bei einer Kassiererin im Penny kurz vor Schluss um 22 Uhr für ihre freundliche Verabschiedung nach einem langen Arbeitstag bedankt. Im Augenwinkel habe ich wahrgenommen, wie sie wieder aufrecht die letzten Kunden bedient hat. Wertschätzung hat die Chance, ein positives Klima zu schaffen.

Schön und gut! Wie aber, wenn es noch grundlegender um die Würde des Menschen geht und nicht nur um freundliche Wert-Schätzung? Um das unveränderliche Recht, in Würde das Leben zu beginnen, im Respekt voreinander das Leben zu gestalten oder in Würde alt zu werden? Wieviel Würdigung des Anderen bleibt übrig, wenn wir Angst haben, der oder die Andere nimmt mir etwas von meinem Wohlstand weg? 

In der Neuzeit der westlichen Demokratien war es Menschen wichtig für den Blick auf die „Menschenwürde“ eine tragfähige Grundlage zu beschreiben. Sowohl durch die katholische und evangelische Soziallehre, als auch durch die Menschenrechts-Charta der Vereinten Nationen wurde ein Fundament für alle weiteren Rechte und Grund-Gesetzgebungen geschaffen. Niemand soll auf Grund seiner Rasse, des Geschlechts, seiner Religion oder Herkunft diskriminiert wird. Politische Institutionen sind daher verpflichtet, diese Würde zu schützen und zu fördern, auch in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche. 

Wir stehen in der gesellschaftlichen Integration von Migranten vor der Herausforderung, die Menschenwürde in einem kulturell pluralistischen Kontext zu leben. In ihrer prekären Lebenssituation sind Migranten besonders verletzlich. Schaffen wir ein Klima des Vertrauens, in dem sie bereit sind, auch unsere Kultur zu respektieren und sich in unserer Gesellschaft einzubringen? Da braucht es, bei allen notwendigen gesetzlichen Regelungen in der Gestaltungsverantwortung und besonders in der Umsetzung, eine ehrliche Haltung.

Mir hilft der Glaube an den Gott der Bibel, der die Menschen als ein Gegenüber ge-schaffen hat. Mehr Würde geht nicht. Da ist der liebende, inspirierende und würde-schaffende Gott, der den Menschen von ganzem Herzen sucht. Ja sogar besucht. Sein Sohn Jesus ist an Weihnachten geboren, um den Menschen die Würde zu geben, die er sich von Anfang an für ihn ausgedacht hat. Diese Liebe Gottes ist ansteckend und prägt eine Haltung, die nicht in Gesetze zu gießen ist, sondern gelebt werden will. 

Das ist unser Auftrag im Saatkorn Projekt. Bei allen interkulturellen und interreligiösen Diskussionen, die wir führen, wollen wir unsere „Jungs“ mit dem Blick der Liebe Gottes sehen und ihnen würdevoll begegnen. Damit Zerbrochenes heil werden und Leben gelingen kann.

Ihr Klaus Andersen